BUSINESS NEWS
Seit Jahren hält sich in der E-Commerce-Branche hartnäckig das Gerücht, Amazon stehe kurz vor einem umfassenden Markteintritt in die Schweiz – inklusive eigener Infrastruktur und einer voll funktionalen amazon.ch-Domain. Viele Händler im DACH-Raum zögern ihre Expansion in die Schweiz hinaus, in der Hoffnung, den Markt später bequem über die gewohnten Amazon-Schnittstellen bedienen zu können.
Der aktuelle Status Quo sieht jedoch anders aus: Amazon liefert zwar Millionen von Produkten aus den Lagern in Deutschland, Frankreich oder Italien in die Schweiz, verzichtet aber konsequent auf ein lokales Logistiknetzwerk oder ein dediziertes Schweizer Sortiment. Unsere Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zeigt deutlich: Ein voller Markteintritt mit eigenen Logistikzentren und spezialisierter Infrastruktur ist für den Tech-Riesen aus Seattle derzeit kaum rentabel.
Einer der gewichtigsten Gründe gegen ein lokales Amazon-Setup ist der Sonderstatus der Schweiz als Nicht-EU-Mitglied. Da die Schweiz nicht Teil der EU-Zollunion ist, unterliegt jeder Warenverkehr strengen Grenzkontrollen und administrativen Auflagen. Für ein Unternehmen wie Amazon, dessen Erfolg auf einer hochgradig standardisierten und grenzenlosen Logistik beruht, stellt diese „Zollinsel“ einen massiven Effizienzstopper dar.
Besonders komplex wird es durch die seit 2019 geltende Versandhandelsregelung. Ausländische Händler, die mit mehrwertsteuerbefreiten Kleinsendungen einen Jahresumsatz von über 100.000 CHF erzielen, werden in der Schweiz unmittelbar mehrwertsteuerpflichtig. Dies erfordert eine präzise Dokumentation für jede einzelne Sendung. Wir bei SURS machen immer wieder die Erfahrung, dass Marken ohne lokales Lager an der administrativen Last scheitern: Jede Retoure und jede Lieferung muss einzeln deklariert werden. Zwar lassen sich diese Prozesse über Sammelverzollungen an der Grenze aggregieren, doch dies verursacht pro Paket fixe Kosten und Zeitverzögerungen. Ein reibungsloser, grenzüberschreitender Warenfluss, wie er innerhalb der EU existiert, ist in der Schweiz schlicht nicht gegeben. Um diese Komplexität erfolgreich zu meistern, sind fundierte Cross-Border E-Commerce Strategien unerlässlich.
"Die administrativen Deklarationen beim Zoll müssen für jede einzelne Sendung vorgenommen werden. Das ist für Marken nicht skalierbar, wenn sie viele hundert oder tausend Sendungen pro Monat abwickeln wollen."
- Jens Bergermann (Gründer von SURS)
Die Schweiz ist mit rund 9,05 Millionen Einwohnern ein wohlhabender, aber im internationalen Vergleich sehr kleiner Binnenmarkt. Für ein Geschäftsmodell, das auf extremen Skaleneffekten basiert, ist das Verhältnis von Marktgrösse zu Betriebskosten in der Schweiz ungünstig.
Ein eigenes Logistikzentrum in der Schweiz zu betreiben, würde Amazon vor immense finanzielle Herausforderungen stellen. Die Lohnkosten in der Logistikbranche liegen deutlich über dem Niveau der Nachbarländer. Hinzu kommen die europaweit höchsten Immobilienpreise für Gewerbeflächen. Die Marge, die Amazon in Deutschland oder Frankreich durch schiere Masse erzielt, würde in der Schweiz durch die hohen Fixkosten weitgehend aufgezehrt werden.
Die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Schweiz wird von vielen internationalen Akteuren oft unterschätzt. Mit drei primären Landessprachen im E-Commerce – Deutsch, Französisch und Italienisch – steigen die Anforderungen an das Listing-Management und den Kundensupport exponentiell an.
Um in der Schweiz Vertrauen aufzubauen, ist die Datenqualität entscheidend. Wir beobachten, dass fehlerhafte oder einsprachige Listings die Conversion-Rate massiv drücken. Während Plattformen wie Galaxus mittlerweile gute automatisierte Übersetzungen anbieten, verlangen andere Marktplätze eine händische Anlieferung in allen Landessprachen. Eine exzellente Übersetzung ist hier kein Luxus, sondern die Basis für den Verkaufserfolg. Der redaktionelle Mehraufwand für diese Lokalisierung verteilt sich in der Schweiz jedoch auf eine vergleichsweise geringe Anzahl an potenziellen Bestellungen, was den Business Case für Amazon zusätzlich verschlechtert.
Selbst wenn Amazon die logistischen Hürden nähme, träfe der Konzern auf einen extrem gut aufgestellten lokalen Wettbewerber: Digitec Galaxus. Galaxus ist in der Schweiz das, was Amazon in Deutschland vor zehn Jahren war – ein dominanter Marktführer mit tiefer emotionaler Verankerung.
Galaxus hat die lokale Logistik perfektioniert und bietet oft „Same Day Delivery“ an. In der Wahrnehmung der Schweizer Konsumenten liegt Galaxus bei der Markenloyalität oft vor Amazon. Wer heute erfolgreich sein will, muss die Schweizer Marktplatz-Landschaft verstehen und nutzen, anstatt auf den US-Riesen zu warten.
Auf einen offiziellen Amazon-Start in der Schweiz zu warten, ist für ambitionierte Marken keine zielführende Strategie. Die Opportunitätskosten sind enorm: Während Sie warten, wird die Schweizer Kaufkraft bereits heute verteilt. Zwar können Sie versuchen, über das Amazon FBA in die Schweiz Modell aus dem Ausland zu verkaufen, doch stossen Sie hier schnell an Grenzen bei den Lieferzeiten und der Sortimentsverfügbarkeit.
Anstatt auf einen globalen Giganten zu hoffen, sollten Sie sich auf die Marktplätze konzentrieren, die heute bereits die Schweiz dominieren. Dabei spielt die Wahl der Plattform eine strategische Rolle. Während Generalisten wie Galaxus enorme Mengen an Alltagswaren (Commodity Products) umsetzen, bieten Fachmarktplätze wie Manor oder Decathlon entscheidende Vorteile für den Markenaufbau.
"Fachhändler sind im Bereich Marken oft deutlich besser aufgestellt und fokussieren sich gezielt auf diese. Wer eine konkrete Marke sucht, findet sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eher beim spezialisierten Fachhändler als beim Generalisten."
- Jens Bergermann (Gründer von SURS)
Wir bei SURS unterstützen Sie dabei, diese Hürden ohne eigene Infrastruktur zu meistern. Wir übernehmen das Warehousing in der Schweiz, das professionelle Listing und die gesamte Logistik inklusive Retourenmanagement. Dies ermöglicht Ihnen einen effizienten Verkauf in die Schweiz, ohne dass Sie auf einen Amazon-Markteintritt angewiesen sind.
Das Hauptproblem liegt im Marktplatz-Modell. Über 50 % des Amazon-Sortiments stammen von externen Händlern. Da diese den administrativen Aufwand der Verzollung und die damit verbundenen Kosten scheuen, schließen viele den Versand in die Schweiz aus. Während in Deutschland rund 80 Millionen Produkte verfügbar sind, reduziert sich das Angebot für Schweizer Kunden daher oft auf etwa 10 Millionen Artikel.
Es gibt keine dedizierte Schweizer Prime-Mitgliedschaft mit lokaler Logistik. Schweizer Kunden nutzen oft Prime-Konten in Deutschland oder Frankreich für das Streaming, profitieren aber nicht von der kostenlosen Lieferung innerhalb eines Tages, da jedes Paket weiterhin den Zoll passieren muss.
Temu und Shein wachsen durch extremes Preisdumping schnell und erzielen bereits beachtliche Umsätze in der Schweiz. Dennoch bleiben sie im Billigsegment verhaftet. Probleme mit der Produktqualität, fehlende Retourenlösungen und die Missachtung von Schweizer Compliance- und Nachhaltigkeitsstandards führen dazu, dass qualitätsbewusste Schweizer Konsumenten diesen Plattformen langfristig skeptisch gegenüberstehen.
Die führende Alternative ist Digitec Galaxus für Elektronik und General Merchandise. Für Fashion und Lifestyle ist Manor der wichtigste Ansprechpartner, während Decathlon den Sportmarkt dominiert. SURS hilft Ihnen dabei, auf all diesen Plattformen gleichzeitig präsent zu sein.
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